Lust am Spielen, Lust am Leben

Veröffentlicht in Elternbrief am 15. Februar 2017

Die spielerische Leichtigkeit des Lebens wiederentdecken

Der Ernst des Lebens, «das Leben ist keine Spielwiese» – diese Ansichten haben sich die meisten erwachsenen Menschen zu eigen gemacht. Aber ist das Leben wirklich so bitterernst? Haben wir das Lachen und Spielen verlernt?

Lust am Spielen - Lust am Leben

(Foto: pexels.com | Marc Lipovsky)

Kreatives Feuerwerk

Es scheint so, als würde man nur den Kindern ein Anrecht auf den spielerischen Umgang mit dem Leben zuerkennen. Sie spielen in ihren ersten sechs Lebensjahren circa 15.000 Stunden, das sind durchschnittlich sieben Stunden pro Tag. Spielen entfaltet das Potenzial, das in ihnen schlummert. Da, wo das Gehirn mit Begeisterung genutzt wird, wächst es. Das Nervensystem wartet nur darauf, Impulse aus der Erlebniswelt zu empfangen, dadurch entstehen Synapsen, ganze Datenautobahnen mit Informationen werden angelegt. Ausgerechnet im absichtslosen Spiel bilden sich die besten Vernetzungen, neuronale Fenster öffnen sich fast explosionsartig. Das Kind erlebt Freiheit, die Verbundenheit mit seinen Mitspielern und immer wieder große Glücksgefühle – wenn sich ihm ein kreatives Fenster öffnet, wenn ihm die Erfindung von etwas Neuem gelingt. Das ist der Grund dafür, dass junge Menschen mit so großer Lust in so kurzer Zeit so viel lernen. «Nicht durch Belehrungen und Unterweisungen oder sonstige ‹Fördermaßnahmen›, sondern indem sie spielerisch jeden Tag ein bisschen mehr herausfinden, vor allem über ihre eigenen Möglichkeiten, diese Welt zu entdecken und zu gestalten», schreibt der Musiker und Autor André Stern in seinem Buch «Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben».

Lebensfreude erhalten und fördern

Mit der Einschulung lernt das Kind, Aufgaben zu erfüllen, fehlerfrei zu schreiben, genau zu rechnen – und damit den Zielvorstellungen von Lehrern und Eltern zu entsprechen. Alles Bitte nicht stören! Die größten Erfindungen entstehen im Spiel. notwendiges Know-how für seinen weiteren Weg, sicher. Dennoch sollte man den Kindern zumindest in der Freizeit den Freiraum gewähren, weiterhin ohne vorgefasstes Ziel experimentieren, gestalten und erfinden zu können. Genau das haben Erwachsene verloren: sich Zeit zu nehmen, um die Gedanken stromern zu lassen. Mal quer zu denken statt immer nur linear. Das eigene Handeln nicht andauernd nach Aspekten der Effizienz, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit zu bewerten. Wir tun gut daran, von den Kindern zu lernen und auch in uns wieder den Funken der Begeisterung anzuzünden und mit Freude in die Welt zu schauen.

Carola Feddersen

Dieser Artikel ist aus dem Elternbrief der Kinderzeitschrift Benjamin | Ausgabe Februar 2017


 

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